ASA DDM 85XL

Das Herzstück unserer Sternwarte bildet eine ASA DDM 85 XL der Firma Astro Systeme Austria. Hier möchten wir euch ein paar unserer Erfahrungen mit dieser Montierung berichten.

 

Bevor man sich dafür entscheidet eine Sternwartenmontierung zu kaufen, sollte man sich klar machen was man eigentlich machen möchte. Man kann sich viel Geld sparen wenn man von vornherein weiß, dass man z.B. nur visuell beobachten möchte. Da sich unsere Leidenschaft hauptsächlich im Bereich der Astrofotografie bewegt, musste die die Montierung folgende Kriterien für uns erfüllen:

 

  • Tragfähigkeit von mind. 80kg fotografisch
  • Hohe Steifigkeit
  • Exakte Nachführung
  • Exaktes Positionieren von Objekten
  • 100%ige Fernsteuerbarkeit über das Internet

 

Diese Anforderungen erfüllte die ASA DDM 85XL. Sie verfügt über direct drive Motoren und hochauflösenden Encodern was sowohl bei der Nachführung als auch beim Pointing für ein Maximum an Genauigkeit  sorgt. Da wir nicht so schnell an die Grenzen der Belastbarkeit der Montierung gelangen wollten, war die Tragfähigkeit für uns von großer Bedeutung. Die XL Version der DDM 85 trägt Geräte von der Größe eines 20" RC fotografisch, was uns in Zukunft auch die Möglichkeit gibt, vom bestehenden Celestron C14 auf ein deutlich größeres Teleskop aufzurüsten.

 

ASA DDM 85XL

 

Wie man auf den Fotos bereits sieht, haben wir uns nicht für eine konventionelle gerade Säule entschieden, sondern für eine Knicksäule. Die Größe der Säule und des Teleskops kommt hier leider nur schwer zur Geltung, aber als Referenz, ich bin 1.80m groß. Die Knicksäule hat den großen Vorteil, dass sie keinen Meridian Flip (Umschlagen des  Teleskops von z.B. Ost nach West) machen muss um Objekte die man zuerst im Osten zu fotografieren begonnen hat, auch im Westen weiter verfolgen zu können. Das wirkt sich vor allem auf die Qualität der Aufnahmen aus, da die Objekte am besten zu beobachten bzw. zu fotografieren sind, wenn sie sich am höchsten Punkt ihrer Bahn am Himmel befinden. Um diese kleine, auf dem Foto so handlich aussehende 150kg schwere Säule, in unsere Kuppel zu bekommen, mussten 6 Leute gleichzeitg anpacken. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an die Belegschaft des Observatorium Kanzelhöhe. 

 

Teleskop Steuerung

Gesteuert wird das Teleskop über die Software Autoslew von Phillip Keller. In Kombination mit einem Sternkartenprogramm wie z.B. The Sky 6, kann das Teleskop durch anklicken einen Objektes exakt auf dieses positioniert werden.

 

 

Der Screenshot zeigt unseren Kuppel PC mit geöffnetem Sternkatenprogramm, Autoslew, das Kuppelsteuerprogramm von ScopeDome und ein Livebild aus der Kuppel das mit Hilfe einer normalen Webcam gemacht wird. Mit Hilfe dieser Programme wird sozusagen die ganze Sternwarte über den PC gesteuert. Die Kuppel folgt dem Teleskop über die Steuersoftware völlig automatisch und positioniert den Kuppelspalt immer genau vor die Teleskopöffnung. So ist vor allem beim ferngesteuerten Betrieb immer gewährleistet, dass sich der Kuppelspalt genau vor dem Teleskop befindet und man nicht aus versehen die Kuppelwände statt Sternen und Galaxien fotografiert.

 

Die Montierung im Praxisbetrieb

Jeder der schon selbst einmal den Versuch unternommen hat, selbst ein Foto von einem astronomischen Objekt zu erstellen weiß, dass zwischen Theorie und Praxis ein rießen Unterschied besteht. Frei nach dem Motto "Papier ist geduldig" findet man bei den Produktbeschreibungen der Hersteller immer die schönsten Versprechungen was die Montierung nicht alles kann. Am Nachthimmel folgt dann meist die Ernüchterung und die Erkenntnis darüber, was die Montierung schon mal nicht kann. Optisch und mechanisch kann man auf jeden Fall schon mal sagen ist die Montierung einfach perfekt verarbeitet. Jedes Teil sieht nach Perfektion aus und ist sauber verarbeitet. Da man von einen "schönen" Montierung bekanntlich nicht zwangsläufig schöne Astrofotos machen kann, haben wir natürlich in der ersten klaren Nacht die ersten Testläufe gemacht. Uns wurde schnell klar, dass diese Montierung  keine Plug & Play Montierung für die erste Nacht ist. Sprich aufstellen, einschalten und loslegen wie man es von anderen Herstellern kennt ist in der ersten Nacht erst nach einer Reihe von Einstellungen möglich. Es ist bspw. nötig vor dem ersten Einsatz die Motorparameter genau zu konfigurieren, was etwas Zeit in Anspruch nimmt da man die optimalen Parameter nur durch Testen heraus findet. Ist das mal erledigt, braucht man es bei der nächsten Verwendung der Montierung nicht mehr zu machen und kann gleich loslegen.

Um die Montierung nutzen zu können, muss man sie als erstes mittels eines Pointingfiles einnorden. Phillip Keller hat hier eine Methode entwickelt die dieses Verfahren genauer und schneller macht als das Einnorden über die Scheinermethode. Zuerst werden ein paar Sterne, 5 bis 10, im Osten angefahren. Diese Sterne werden nach dem Anfahren exakt in die Mitte des Okulars positioniert, am genausten und schnellsten funktioniert das mit Hilfe einer CCD Kamera und Programmen wie Maxim DL. Anschließend berechnet die Software Autoslew die Abweichung nach Norden.

 

 

Als nächstes wird ein Stern im Süden in der Nähe des Meridians, mit einer Höhe von ca. 40°, angefahren. Nachdem dieser Zentriert wurde, fährt die Montierung an die Position an der sich der Stern befinden sollte. Nun muss an lediglich den Stern durch heben bzw. senken der Montierung bzw. drehen dieser in die Mitte des Bildfeldes bringen. Jetzt ist die Montierung soweit eingenordet, nun wird noch ein neues Pointingfile erstellt das der Software quasie die Restfehler zeigt und kann danach visuell und fotografisch eingesetzt werden. Wenn man das einmal gemacht hat und weiß wie es funktioniert, ist man auch bei mobiler Nutzung der Montierung schneller einsatzbereit als mit herkömmlichen Montierungen.

 

Wie genau die Montierung bereits nach einem kleinen Pointingfile mit ca. 15 Sternen positioniert zeigt die Aufnahme des Ringnebels.

 

RingnebelDabei wurde das Teleskop vom Orion Nebel, der bereits weit im Süden Stand, zum Ringnebel positioniert. Die Aufnahme entstand durch das C14 bei voller Brennweite von 3911mm und einer Meade DSI 1 Kamera mit einer sehr kleinen Chipgröße von 508 x 489 Pixel. Das Objekt wurde nicht nachträglich in zentriert um zu zeigen, wie genau das Pointing der DDM 85XL arbeitet.

 

 

 

 

 

 

 Nachdem die DDM 85 über keine Handsteuerbox verfügt, sonder nur mehr über einen PC oder ein Notebook gesteuert werden kann, lag es für uns nahe auch einen ersten Testlauf ferngesteuert zu unternehmen. Wie zu erwarten war, hat auch hier das Ppointing sehr gut funktioniert und die Objekte nahezu perfekt auf den CCD Chip der kleinen Meade DSI positioniert. Um etwas mehr Gesichtsfeld auf den Chip zu bringen wurde die Brennweite zusätzlich mit einem Lumicon Gigant Axis Guider reduziert.

 

Die beiden Aufnahmen rechts sind sozusagen das remote first light. Trotz der Brennweitenreduzierung passt auf den CCD Chip gerade mal das Zentrum des Orion Nebels. M65, eine kleine Galaxie im Sternbild des Löwen, ist bereits Bildfüllend zu sehen. Der helle Schimmer in der linken unteren Ecke kommt vom auslese Rauschen des CCD Chips, das bei längeren Belichtungen mit dieser Kamera, in diesem Fall 10 Minunten, auftritt. Die Sterne sind nicht 100%ig perfekt abgebildet das die Optik noch einer Justierung bedarf.

 

 

 

 

Welches Teleskop für die ASA Montierung?

Da die Montierung gewichtstechnisch problemlos auch einen 20" RC trägt gibt es hier viel Spielraum. Eines soll hier an dieser Stelle jedoch noch angemerkt sein. Ein Schmidt Cassegrain (SC) ist nicht unbedingt das optimales System für diese Montierung. Das Problem bei SC's ist, dass sie immer ein gewisses Spiegelshiftig aufweisen. Da die Montierung für ein Maximum an Präzision und zum eliminieren von Fehlern ein konstante Werte benötigt, kann es hier bei SC's schon zu Problemen kommen, vor allem dann wenn sich der Hauptspiegel nicht richtig klemmen lässt. Das ist der Grund warum bei SC Nutzer die Meinungen auseinander gehen. In unserem Fall macht ist das Spiegelshifting gering genug um keine Probleme zu verursachen.

 

Für wen eignet sich die Montierung?

Grundsätzlich kann die Montierung jeder verwenden, egal ob rein visuelle Beobachtung oder Astrofotografie. Ihren Schwerpunkt hat diese Montierung aber auf jeden Fall in der Astrofotografie da zu ihrer Verwendung auch ein PC bzw. Notebook notwendig ist. Dieser Umstand wird wahrscheinlich viele rein visuelle Beobachter abschrecken. Für den Sternwartenbetrieb und die Verwendung über das Internet, ist diese Montierung auf jeden Fall perfekt geeignet und wird keine Wünsche offen lassen.

 

Fazit zur ASA DDM 85XL

Die ASA Montierung hält soweit das was sie verspricht. Für Astrofotografen können wir sie vorbehaltlos empfehlen. Wie bei den meisten Montierungen muss man etwas Einarbeitungszeit in Kauf nehmen, die bei der ASA  vielleicht ewas länger ausfällt da die Beschreibungen nicht so ganz auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt sind. Es finden sich jedoch auch im Internet einige Beschreibungen von ASA Usern, die hier sehr gut weiterhelfen. Auch die Yahoo Gruppe ist immer sehr hilfsbereit bei der Beantwortung von Fragen. Auch wenn in Punkto Beschreibungen ASA noch etwas Aufholbedarf hat, können wir dem Support das Urteil "sehr gut" aussprechen. Selbst Phillip Keller hat uns am Wochenende spät abends noch per Team Viewer unterstütz und offene Fragen bzw. Probleme mit uns gelöst. 

 

TIPP: Dirk Bautzmann hat zwei sehr gute Anleitungen zur DDM 85 geschrieben. Ein Blick in seine Bildergalerie ist ebenso lohnenswert.

 

ASA DDM85 Polar Adjust

ASA DDM85 Tuning Motorparameter

 

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